Politische Philosophie

Plato’s Academy, by Tomisti (CC BY-SA 3.0)

Seit 2022 bin ich Doktorand an der TU Darmstadt im Fachbereich Politische Theorie und Ideengeschichte. Systematisch liegt mein Schwerpunkt im Bereich:

  • Liberalismus & Republikanismus
  • Populismus & Repräsentation
  • Politische Ökonomie (Eigentumsstruktur als politische Ordnungsbedingung)

Historisch, insbesondere:

  • Klassisch-griechische Antike (Vorsokratiker, Sophisten, Platon, Aristoteles)
  • Kontinentales spätes 17. Jahrhundert bis frühes 19. Jahrhundert (Spinoza, Rousseau, Constant, Smith, Federalists, Kant, Fichte, Hegel)
  • Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts (Ritter-Schule, Habermas, Neo-Republikanismus)

Projekt: Die Ökonomie der Republik

Geld, Finanz- und Wirtschaftspolitik gehören heute zu jenen Feldern, die die Politische Philosophie weitgehend aus ihren Augen verloren hat und erst seit einigen Jahren wiederentdeckt. Das war nicht immer so. Liest man die ideengeschichtlichen Klassiker von der Antike bis ins 19. Jahrhundert erneut, stößt man auf eine Fülle politökonomischer Reflexionen. Ich beschäftige ich mich daher mit den (finanz-)ökonomischen Bestehensbedingungen republikanischer Ordnungen. Eigentum, Geld, Kredit und das Finanzwesen, so zeigt sich, sind entscheidende Medien der politischen Integration – an ihrem Funktionieren und ihrem Implodieren kann man die aktuellen Kurse des demokratischen Selbstverhältnisses ablesen.

Ancient Greek Silver Coin (Dekadrachm), about 400 B.C.E., by Carl Malamud (CC BY 2.0)

Das alte Rathaus von Amsterdam, in dem 1609 die Wisselbank, eine der ersten Zentralbanken der Welt, gegründet wurde. Ölgemälde von Pieter Janszoon Saenredam aus dem Jahr 1657

Die Deflation der Macht: Spinozas politische Theorie des Geldes

Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich mich mit Spinozas Ethik und politischer Theorie auseinandergesetzt. So versuche ich, finanzökonomische Verhältnisse und Begriffe (Geld, Kredit, Inflation, Deflation) rückzuübersetzen in ein politikphilosophisches Vokabular. Dafür ist Spinoza ein guter Gewährsmann. Im Lichte seiner Ethik der Macht wird klar, dass Geld eine Bedingung des wechselseitigen Nutzens der Menschen ist, deshalb aber auch allzuleicht zum politischen Hemmnis deflationieren kann. Ein Gemeinwesen darf deshalb finanzökonomische Institutionen nicht technokratisch auslagern, sondern muss sie zum Zwecke des eigenen Selbsterhalts politisch gestalten.


Akademische Publikationen


Journalartikel (Peer-Review)
  • Weber, Oliver (2021): Freiheit ohne Selbsterhaltung. Rousseaus republikanische Ökonomie und das Paradox der Modernen, Zeitschrift für Politik 68 (3), S. 233-252; DOI: http://dx.doi.org/10.5771/0044-3360-2021-3-233.
    In den letzten Jahren ist mit Konzepten wie der „property-owning democracy“ die Frage nach dem Verhältnis von Eigentumsstruktur und Demokratie neu aufgeworfen worden. Um das Problem, wie eine freie ökonomische Sphäre mit einem Modus der Selbstregierung vereinigt werden kann, in seiner ganzen Radikalität zu begreifen, leistet diese Arbeit eine Rekonstruktion von Rousseaus republikanischer politischer Ökonomie. In ihr zeigt sich die Aporie der Moderne, politische Freiheit ohne ökonomische Selbsterhaltung fordern zu müssen, als ein unlösbares Paradox. Heutige Ansätze, das Problem zu lösen, können sich an Rousseaus Problembeschreibung messen lassen.
  • Weber, Oliver (2020): Demokratischer Despotismus. Ein kantischer Maßstab zur Beurteilung der Demokratiekompatibilität des Populismus, DNGPS Working Paper (A-03-2020A), S. 1-17; DOI: https://doi.org/10.3224/dngps.v6i1.03.
    Ist Populismus demokratiekompatibel? Diese Arbeit zeigt auf, dass die zwei prominenten, aber gegensätzliche Antworten auf diese Frage von Müller (2016) und Mudde/Kaltwasser (2017) aufgrund begrifflicher Vorentscheidungen zustande kommen, die dem Populismus implizit eine von außen kommende pluralistische Norm anlegen bzw. seine Gefahr für die Demokratie normativ einebnen. Mithilfe der Rechtsphilosophie Immanuel Kants soll zur Aufklärung dieser Kontroverse beigetragen werden, indem aus der kantischen Kritik der despotischen Demokratie ein normativer Maßstab für die Beurteilung der Demokratiekompatibilität des Populismus gewonnen wird.


Miszellen
  • Weber, Oliver (2021): Rousseau and the Republicanization of Money, Blog of the Journal of the History of Ideas.
    For Rousseau, modern conditions are a great paradox: an economically free sphere would sooner or later colonise and undermine political freedom. His counter-proposal is to preserve the unity of subsistence means and subsistence needs in a largely moneyless argar economy. This work sheds light on Rousseau’s political economy, contrasts it with the ideas of doux commerce and thus highlights their problems. But how can the problem of a monetary regime that endangers the republic be solved under today’s conditions?
  • Ideenhistoriker & Politikwissenschaftler Oliver Weber über Liberalismus – Jung & Naiv: Folge 589, Youtube
    Gespräch mit Tilo Jung über die Ideengeschichte des Liberalismus, der Demokratie, der Republik und des Eigentums, über das politische Problem von Klimawandel und Umverteilung uvm.


Akademische Vorträge
  • Weber, Oliver (2021): Die Moral der Krise. Moralisierung als Krisensymptom und politische Strategie, Tagung: Vergemeinschaftung durch Werte?, Bayerische Akademie der Wissenschaften.
    Moralismus ist zu einem alltäglichen Vorwurf in der öffentlichen politischen Debatte geworden. Doch auch der Antimoralismus kommt nicht darüber hinaus, die Ursachen dieses Problems in den falschen Intentionen der Gegner zu sehen. Was sind die politischen Ursachen der Auseinandersetzung? Dieser Vortrag strebt an, Moralisierung als spezifisch politische Strategie zu verstehen, die versucht eine Krise der Institutionen durch rhetorische Vereindeutigung zu lösen.


Working Paper
  • Weber, Oliver (2020): Liberalismus und Republikanismus im Kreuzverhör: Zur Funktion des Chiasmus in Habermas‘ rationaler Rekonstruktion des modernen Staates, Researchgate, online verfügbar unter: 10.13140/RG.2.2.15577.75360.
    Noch immer sind die methodischen Aspekte des Werkes von Jürgen Habermas unterbeleuchtet. Insbesondere die vertikale rationale Rekonstruktion in ‚Faktizität und Geltung‘ harrt einer detaillierten Verknüpfung mit den Einzelerkenntnissen seiner Diskurstheorie des Rechts. Anhand des Verhältnisses von Liberalismus und Republikanismus in FuG argumentiert diese Arbeit, dass Habermas immer wieder auf eine chiastische Verknüpfungslogik zurückgreift, um reduktionistische Positionen der Tradition miteinander zu vermitteln. Diese Methode vermeidet gewisse normative Übersättigungen der Theorie, allerdings zum Preis einer Abhängigkeit von der eigenen theoriegeschichtlichen Konstruktion.

  • Weber, Oliver (2020): Der Timaios im Spiegel des Sophistes: Ein reflexionslogischer Vergleich der platonischen Figuren „Heteron“ und „Chora“, Humanities Commons am 13. Mai 2020, online verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.17613/dw6r-g780.
    Am Ende des Sophistes findet sich eine Spur, die direkt zum Timaios führt: Der Fremde aus Elea weist auf eine göttliche Hervorbringungskunst hin, die stark an den Kosmos-Vortrag des Timaios erinnert. Dieser Spur geht diese Arbeit nach, indem sie mithilfe der reflexionslogischen Lektürehinsicht von Zorn (2016) die Figuren „Heteron“ und „Chora“ im jeweiligen Dialogkontext vergleichend untersucht. Trotz einiger struktureller Gemeinsamkeiten, ergibt sich letztlich „Heteron“ als unproblematischer Begriff, während Timaios auf die Inkonsistenz des „Chora“-Gedankens beständig hinweisen muss. Hieraus lassen sich einige Schlussfolgerungen für das Verhältnis von Dialektik und Ontologie in den platonischen Dialogen insgesamt ziehen.

  • Weber, Oliver (2018): Asymmetrische Demobilisierung: Warum Parteianhänger zu Nichtwählern werden, Research Gate, online verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.13140/RG.2.2.21240.26883.
    Warum entscheiden sich Parteianhänger bei Bundestagswahlen dafür, nicht wählen zu gehen? Diese Arbeit argumentiert, dass das Ausmaß der Mobilisierungstätigkeit einer Partei nicht alleinige Ursache von Nichtwahl-oder Wahl-Entscheidungen in ihrer Anhängerschaft ist. Das Wahlkampfverhalten des politischen Konkurrenten übt ebenso signifikanten Einfluss aus. Verzichtet dieser auf kontroverse Meinungsbeiträge und polarisierende Wahlkampfpositionen, so demotiviert er die Anhänger seiner politischen Konkurrenz wählen zu gehen, indem er die Möglichkeit beide Parteien eindeutig ideologisch zu unterscheiden minimiert. In Folge dessen bleiben die Parteianhänger der Konkurrenz von der Wahlurne fern, weil die aktivierende Wirkung der Wahlkampagne der zugeneigten Partei nicht greifen kann. Vorausgesetzt die Mobilisierung der eigenen Parteianhänger sinkt nicht im gleichen Maß, führt diese Wahlkampfstrategie zu relativen Stimmgewinnen der asymmetrisch demobilisierenden Partei.