Einseitiges vereinseitigen – die (Ent-)Demokratisierung der Demokratie

„Warum jetzt?“ (S. 12) – diese Frage beschreibt, in aller Kürze, das Rätsel, das Philipp Manow mit seiner zweiten Untersuchung zum Aufkommen populistischer Parteien zu lösen verspricht.

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Im Rucksack: die Freiheit

Es liegt ein geheimnisvoller Reiz in der Vorstellung, alles hinter sich zu lassen, um einfach aufzubrechen. In der Bewegung selbst liegt der Reiz. Die Tasche packen, sich in ein Flugzeug setzen und die Augen erst wieder aufschlagen, wenn in unbekannten Wörtern die Fremde aus Lautsprechern dröhnt. Wir wollen zu uns selbst finden. Wir brauchen eine andere Perspektive. Wir bedürfen eines Ortswechsels. Hier klingen Topoi an, die fest in die Populärkultur eingegangen sind.„Im Rucksack: die Freiheit“ weiterlesen

Können wir einfach wieder traditionell sein?

In turbu­lenten Zeiten ist der Rück­griff auf die Vergan­gen­heit beson­ders attraktiv. Die Gegen­wart zeigt immer in tausend verschie­dene Rich­tungen, deren Ziele weit­ge­hend unbe­kannt sind. Wege gibt es immer nach über­allhin. Wer weiß, wie wir in zwanzig Jahren leben? Künst­liche Intel­li­genz, Medi­en­wandel, multi­kul­tu­relle Gesell­schaft, Globa­li­sie­rung –das sind Schlag­worte, die nichts Genaues bezeichnen, sondern die grund­sätz­liche Offen­heit der Gegen­wart zu bändigen versu­chen. Wohin der Weg tatsäch­lich führt, muss die Zeit uns zeigen.

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Stabil bis zum Umsturz

Russland bleibt auf seinem Weg. Das ist wohl die einfachste Feststellung nach der erneuten Wahl Valdimir Putins für das Amt des russischen Präsidenten. Über den Ablauf der Abstimmung wird noch zu berichten sein, sofern das im russischen Staat objektiv möglich ist. Doch wie auch immer die Auswertung aussehen wird: vieles spricht dafür, dass das System Putin in den letzten Jahren seinen Griff auf die Zivilgesellschaft eher verhärtet hat. Ausschaltung politischer Konkurrenten, Staatspropaganda, Oligarchie und Korruption – bringt man das auf einen Begriff, so muss man von »illiberaler« und »defekter« Demokratie sprechen. Fest steht, dass Russland sich vom Ideal eines demokratischen Rechtsstaats immer weiter entfernt.

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Tristesse Droite

Es gibt viele Wege etwas falsch zu machen. Einer dieser Wege lässt glauben, man marschiere selig in Richtung Ziel, während man sich in Wahrheit immer weiter davon entfernt. Das ist der gefährlichste. Alexander Dobrindts konservatives Manifest gehört zu dieser Sorte Falschheit: Die Idee ist die richtige, aber die Art und Weise lässt zusammenzucken – bevor nur noch Trübsal bleibt.

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Die Freiheit am Tag der Krise

Dank eines freundlichen Hinweises von Timon Graewert () bin ich auf einen höchst interessanten Vortrag des Philosophen Christoph Menke an der Humbolt-Universität Berlin gestoßen. Der Leser möchte meine Unkenntnis der Person verzeihen, aber mir war sein Gedankengang in dieser Systematik vollkommen neu. Worum geht es Menke? Um nichts geringeres als eine Kritik des Liberalismus. Eine Entscheidung, die in Zeiten grassierender anti-liberaler Bewegungen befremden kann – allerdings nur dann, wenn man nicht begreift, dass es eine Kritik des Liberalismus in liberaler Absicht geben kann.

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Machiavelli in Deutschland

Machtlos war Niccolò Machiavelli geworden, als er sich 1512 auf sein Landgut nahe San Casiano zurückzog. Hinter ihm lag der Eroberungsfeldzug der Medici, zeitweilig hauste er im Kerker und wurde gefoltert – schließlich verbannt aus seinem geliebten Florenz. Er war als Politiker gescheitert ebenso wie die Republik. Doch als Theoretiker, der er nun einmal auch war, wollte er sich mit diesem Ende nicht zufriedengeben. Der Fall der Republik Florenz bedurfte Erklärung. Und Machiavelli war bereit sie zu geben. Was waren die Ursachen des Niedergangs? Woran scheitern Republiken?

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Die Linke ist ein Traum der Rechten

»Seit der Wahl Donald Trumps, dem Brexit und dem Einzug der AfD in den Bundestag ist der Rechtspopulismus in der westlichen Welt auf dem Vormarsch. Globalisierung, Migration und Identität sind die Fragen, die seinen Erfolg entscheiden; Fake News und postfaktische Demagogie befördern ihn« – so hätte die Einleitung dieses Artikels beginnen und damit hundert anderen gleichen können. Der Satz und seine Assoziationen sind deswegen nicht falsch. Nur vielleicht handelt es sich um eine festgefahrene Perspektive. Er benennt sowohl Täter, als auch Tat und Ursachen um sie präzise vom Beklagenden zu scheiden. Eine Perspektive, die der Historiker Per Leo, der Jurist Maximilian Steinbeis und der Philosoph Daniel-Pascal Zorn mit ihrem Buch »Mit Rechten reden« für einen Moment aufzusprengen versuchen, um ihr eine ungekannte an die Seite zu stellen.

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Ein Suchen ohne Finden?

Wer sich auf die Suche nach der deutschen Identität begibt, muss sie verlieren. Nicht weil die Suche einem Hirngespinst nachjagt, sondern weil so etwas wie Einheit mit dem Beginn der Suche schon verloren war. Wie zwei sehnsuchtsvolle Augen, die einen Gegenstand erspähen wollen, den der bloße Blick zertrümmert. Das macht die Suche nicht wertlos. Nur ganz anders.

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Raum ohne Sinn. Eine Notiz zu »Dunkirk«

So, nun habe ich auch endlich den gelobten Film gesehen. Es wurden schon viele Aspekte sehr detailreich und klug besprochen, da möchte ich auf etwas anderes den Fokus legen: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Zeitdimension in »Dunkirk« beinahe völlig verschwindet? Film ab, die britischen Soldaten schlendern bereits entmutigt durch Dünnkirchen, auf der Suche nach Wasser. Schüsse fallen (es müssten Deutsche sein, gezeigt wird das – wie schon von anderen erwähnt – freilich nicht), eine verlustreiche Flucht; dann: der Strand.

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